Eine Fahrradreise mit Kindern? "Warum nicht?". Nachdem wir, Lea, Gregor und unsere Tochter Ronja aus Berlin, 2 Jahre lang vom einen Ende Amerikas bis zum anderen Ende radelten, folgt nun Teil 2 der Reise. Mit neuem Nachwuchs Mateo erkunden wir ab April 2016 den Süd-Westen Europas.
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A bicycle trip with a child? "Why not?". After we, Lea, Gregor and our daughter Ronja from Berlin cycled from one end of America to the other, the second big adventure is following. With our new family member Mateo we will explore the south west of Europa, starting in April.


Dienstag, 26. April 2016

Auf dem Heimweg

Faro - Sagres - Odemira

For short english summary see below

Vor 12 Tagen haben wir Berlin verlassen, vor 12 Tagen ein letztes Mal Freunde am Flughafen in den Arm genommen und uns für bestimmte Zeit von unserer Familie verabschiedet.
Aber sind wir wirklich erst 12 Tage unterwegs? Ist es nicht doch schon länger? Es fühlt sich so an als wäre die Zeit gedehnt, als wäre uns der Wechsel in den Radreisemodus gelungen, wir sind back in real life. 

Und das ging so: fliegen, landen, Räder zusammenbauen, eine Nacht im Hotel schlafen, noch nicht kapieren dass es endlich losgegangen ist, am ersten Morgen die Räder beladen, im Regenschauer den Radweg aus Faro finden, auf eben jenem verloren gehen, schwitzen, fluchen, radebrechend auf Portuspanisch nach dem Weg fragen, am Straßenrand Mateo stillen, einen ruhigen Schlafplatz an der Steilküste finden, Spaghetti mit Bärlauchpesto im Abendsonnenschein genießen, das Jetzt- geht´s-wirklich-los-Gefühl mit in den Schlafsack nehmen und davon völlig benommen einschlafen.

Das schöne am Radreisen ist, dass man selbst bei einem zweitägigen Kurztrip, den unnötigen Ballast des Alltags schnell abwerfen kann. Man ist mehr mit sich selbst beschäfitgt, mit substanzielleren Dingen, als mit dem was einem sonst so wichtig scheint. Zum Beispiel einen angenehemen Weg durch die dicht besiedelte portugiesische Region Algarve zu finden. Uns beschäftigte diese Suche rund eine Woche. Sehr selten konnten wir sehenswerte Routen fahren, an authentischen Orten rasten oder einen ruhigen Schlafplatz finden. Die Algarve ist schön - schön für Sonnenbader, schön für Rundumsorglos-Erdenbürger, schön für Dauercamper und schön für Golfer. Streckenweise gilt dies auch für Tourenradler, immerhin gibt es ja den Ciclovia-Litoral, einen nicht sehr gut ausgeschilderten Radweg für eher leicht bepackte Reiseräder. Aus unserer Perspektive richtig interessant wurde es erst kurz vor Sagres, es wurde wilder und weniger touristisch.

 Sechs Kilometer hinter Sagres liegt das Cabo São Vicente, der Wendepunkt dieser Reise. Nach der Besichtigung des einsam auf dem letzten Zipfel Portugals stehenden Leuchtturmpostens, schwangen wir uns auf die Drahtesel und machten uns auf den langen Weg nach Hause. 
Mit jeder Umdrehung unserer Kettenblätter kommen wir nun Berlin ein Stück näher. Es ist nicht so, dass wir uns danach sehnen würden bald wieder dort zu sein, aber mit einem konkreten Ziel auf eine Fahrt zu gehen, ist sehr hilfreich für uns und lässt uns nie die Orientierung verlieren. Immerhin gibt es entlang der Strecke viel zu sehen und schon bei der Wahl der Strecke haben wir die Qual der Wahl.

Beim Nordschwenk hinter dem Cabo ereilte uns das Gefühl nun endlich mit der Tour beginnen zu können. Wir zelteten mit unseren pedalierenden Freunden Susanna, Andreas und ihrem Sohn Felix in einem Pinienwald, genossen den Sonnenuntergang über dem Panorama des Passes und schmiedeten gemeinsame Pläne für die vor uns liegenden Kilometer.

Das schöne an einem frisch geschmiedeten Plan ist, dass man vorher schon weiß, wie es nachher garantiert nicht passieren wird. Mateo bekam am nächsten morgen abrupt hohes Fieber, wir trennten uns von ihnen und begaben uns in die Obhut eines Campingplatzes in Aljezur. Als Mateos Fieber auch am dritten Tag nicht die 40 Grad Marke unterschreiten wollte, fuhr Lea mit dem Taxi nach Lagos ins Krankenhaus. Vielleicht hat ihm das gerade gefehlt, um wieder gesund zu werden. Als sie nach halbstündiger Fahrt dort ankamen, war seine Körpertemperatur wieder normal. Unsere Sorgen waren vorrüber und unsere juckenden Fersen konnten sich wieder in Bewegung setzen.

Wir radelten weiter die Westküste entlang nach Norden. Alles ist hier gerade Blüte, Duft und Farbe. Der Frühling legt sich protzig auf die sonst trocken karge Landschaft des Alentejo.
Die Morgenstunden auf dem Rad sind jetzt die schönsten, dann wenn die bunten Wiesen am leuchtendsten sind, der Morgentau die Düfte der Blumen löst und sie hinter jeder Kurve aufs Neue um uns wallen. Das Radfahren wird so zum paradiesischem Hochgenuss und manchmal gehen die Kilometer viel zu schnell vorbei.Bei Tanja und Michael, unseren Warmshower-Gastgebern, können wir diese Genüsse heute durchweg genießen. Sie haben sich für die Gründung ihrer Familie aus Deutschland zurückgezogen und leben nun mit ihren beiden Kindern Moritz und Tabea in den Bergen des Alentejo ein naturnahes Leben in einem zur Zeit blühenden Garten voller frischem Gemüse. Eden.

English summary

Algarve Cost and Alentejo Region

We're back on the road again. Two years we paused from the lifestyle we deeply falled in love with in the Americas. Biketouring became a passion and is an important piece of our family life. This trip is a bit shorter than the first one. I, Gregor, took 6 month paternal leave from work. Yes, the Family Pedaleros have grown, our son Mateo was born last year. Now he is old enough for bike touring. The idea of this trip is to ride back home. We started in Faro/Portugal and sticked almost the whole time close to the coast. The Algarve is pretty busy with european tourist. This made bike touring the way we like it, really painful. Is has been a daily challenge to find a save spot for wild camping and the most prettiest spots are conquered by hotels, golf courses are fancy millionaires' houses. We were really lucky to leave this region behind us as we arrived in Sagres and turned north at the furthest south-west point of Portugal at the Cabo São Vicente. 


After that, touring finally became a real pleasure. The spring is at its full tide - everything is in bloom and the odor is just increadible. The roads are quite and the great number of secundary roads is a nice everyday challenge. The towns along the road become more and more authentic as we ride north. Old man sitting in front of their houses, leaned to a wooden stick, chatting with the neighboors. Cork oaks decorate the landscape and make it look really pretty.  After 12 days of riding  we feel that we are back - our shape is good and the spirit is right. Back on the road, for us it means to be back in real life.